Die politische Gruppe „Offener Diskurs" hat sich im Frühjahr 2024 in Freiburg als Reaktion auf das Treffen mehrheitlich rechtsextremer Personen in Potsdam gegründet. Dieses Treffen sowie die zunehmende Institutionalisierung und Normalisierung rechtsextremer Positionen, Worte und Gedanken führte zu einer großen Mobilisierungswelle gegen rechtsextreme Akteure und Parteien. Hauptinhalt waren große Demonstrationen in ganz Deutschland sowie auch Aktionen des zivilen Ungehorsams. Als Nebenprodukt dieser Bewegung gründete sich auch der „Offene Diskurs".
Ziel dieser Gruppe war es, den zivilgesellschaftlichen Protest zu diversifizieren. Anders ausgedrückt: Als einen Grundauslöser der zunehmenden Radikalisierung rechter Gruppierungen und dem grundsätzlich kippenden politischen Klima in Deutschland sieht der „Offene Diskurs" die fehlende politische Gesprächskultur an. Das Gefühl, dass Positionen sich immer weiter verhärten und ein politischer, offener Austausch nicht mehr stattfinden kann, manifestiert sich zunehmend. Das muss als massiv beunruhigender Zustand wahrgenommen werden, da Grundbedingungen für demokratische Prozesse der Austausch, das Verständnis und die Kompromissbildung darstellen. Somit ist ein solches Klima demokratiegefährdend und bietet Nährboden für extreme und vor allem rechtsextreme Positionen.
Da dies — wenn man von demokratischen Werten überzeugt ist — inakzeptabel ist, gründete sich der „Offene Diskurs", um Menschen wieder miteinander sprechen zu lassen. Dabei geht es nicht darum, eine einheitliche Position zu teilen oder Menschen politisch zu „missionieren", sondern es geht darum, einander zuzuhören und dennoch in den harten Diskurs zu gehen. Erst so kann Politik und Demokratie wieder real und im ursprünglichen Sinne einen Platz in der Gesellschaft finden.
Unsere Aktionen
Der „Offene Diskurs" baute über mehrere Monate bis zur Bundestagswahl im Jahr 2025 und auch darüber hinaus wöchentlich einen Gesprächsstand in Freiburg-Weingarten auf, um dort mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Anfänglich noch mit Skepsis aufgenommen, entwickelte sich der Stand zu einer festen Institution des politischen Gesprächs und es wurden hunderte Gespräche auf Augenhöhe und im z.T. harten Diskurs geführt. Die politischen Positionen der Mitglieder des „Offenen Diskurses" sind nicht einheitlich und so hatte auch jedes Gespräch einen eigenen Charakter. Klar war jedoch: Die Gruppe kämpft für Demokratie und Diskurs, für Offenheit im Umgang miteinander und Respekt vor der anderen Person. Damit stellt sie sich aber auch klar gegen demokratiefeindliche Positionen, die vor allem von rechtsextremen politischen Akteur:innen massiv vorangetrieben werden.
Nach den erfolgreichen Gesprächsrunden organisierte der Offene Diskurs seine bisher größte Aktion: den größten überparteilichen Haustürwahlkampf Deutschlands. Mit über 150 Menschen und einem detailliert geplanten Konzept klingelte der „Offene Diskurs" an über 5.000 Türen und konnte rund 2.000 Gespräche führen. Ziel war es, über die Bundestagswahl aufzuklären, zu verstehen, was die potentiellen Wähler:innen bewegt, und mit fundiertem Informationsmaterial vor der Gefahr rechtsextremer Parteien und Positionen zu warnen. Die Badische Zeitung berichtete mit einer überregionalen Reportage über die Aktion und es kam großer Zuspruch für diese Art, den politischen Diskurs wiederzubeleben.
Die Relevanz des Ansatzes wird zunehmend bestätigt. Das Kommunikationsklima hat sich weiter verschlechtert und auch die Radikalisierung rechter Akteure ist weiter vorangeschritten.
Anlässlich der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und mit ungebrochener Motivation hat der „Offene Diskurs" mit 30 Personen den Wahlkampfauftakt der AfD in Freiburg kritisch begleitet. Dabei wurde lange und intensiv mit Menschen vor Ort geredet und im Anschluss konnten kritische Fragen einige der unhaltbaren Positionen des Spitzenkandidaten der AfD aufdecken.
Der „Offene Diskurs" steht gerade erst am Anfang. Bis zur Landtagswahl im März hat die Initiative mit einer Ausnahme jeden AfD-Wahlkampfstand in und um Freiburg begleitet und ist mit den Menschen vor Ort in Gespräch gekommen und konnte deutlich machen, dass die AfD Baden-Württemberg inhaltsleere Versprechungen mit einem polarisierenden Gesprächsklima verknüpft hat. Wir sind nie störend aufgetreten, das Mittel der Wahl war und ist immer das respektvolle Gespräch. Das heißt jedoch nicht, dass nicht klar und deutlich Stellung gegen menschenverachtende und demokratiefeindliche Positionen bezogen wurde. Über die Aktionen wurde regional und überregional berichtet.
Das neueste Projekt des „Offenen Diskurses“ ist das Aufstellen Wim Kölkers als Satirekandidaten zur Freiburger Oberbürgermeisterwahl. Hierbei handelt es sich um ein Satireprojekt, welches auf die fehlenden Kompetenzen des AfD-Kandidaten hinweist und gleichzeitig eine Werbemaßnahme für den "Offenen Diskurs" darstellt. Wichtig zu betonen ist, dass wir die Wahl als wichtige demokratische Instanz anerkennen und mit dieser Aktion nicht herabsetzen wollen. Vielmehr geht es darum, auf die Gefahr der AfD für diese demokratischen Prozesse hinzuweisen. Genauere Informationen finden sich auf wimkoelker.de. Die Aktion wird mit einer breiten medialen und öffentlichkeitswirksamen Kampagne unterstützt.
Der „Offene Diskurs" ist eine Bewegung und eine Haltung. Es geht darum, respektvoll in den Diskurs zu treten, die eigene Position als relativ zu betrachten, lernfähig zu bleiben und dennoch klar für Menschenwürde und Demokratie einzustehen und das Feld des Diskurses nicht rechtsextremen Akteuren zu überlassen.
Wir sind überzeugt, dass dieses Konzept sich wie ein Lauffeuer verbreiten sollte und wird. Dazu werden wir es immer lauter und mit aller Deutlichkeit in die Gesellschaft tragen.
Wer genauer an der Position des „Offenen Diskurses" interessiert ist, findet sie detailliert im Selbstverständnis.